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Ich lag in einem netten, einem irdischen ganz ähnlichen Zimmerchen, auf einem kleinen Bett von weichem, weißem Flaum. Ein großes Fenster, welches sich dem Lager gegenüber befand, gestattete einen Blick in eine beträchtliche Ferne, auf Berge und hügeliges Land. Zwar waren weder Bäume noch Sträucher zu sehen, auch - mit Ausnahme von etwas hier und dort zerstreut blühendem Unkraut - keine Blumen. Doch selbst diese ärmliche Vegetation wirkte belebend auf das Auge. Anstatt des harten, kahlen Bodens des Zwielichtlandes hatten wir hier einen grünen Teppich von Farn und Gras, der die Erde bedeckte.
Diese Gegend wurde das "Land der Dämmerung" genannt. Die Beleuchtung glich tatsächlich der Dämmerung vor Tagesanbruch, wenn die Sonne am Horizont emporsteigt, um die Erde mit ihren Strahlen zu erwärmen. Ein schwaches Blaugrau färbte den Himmel und weiße Wölkchen, die in der Ferne als stillstehende, mächtige Luftgebilde erschienen, jagten hier in der Nähe unter dem Himmel dahin. Hier gab es Abwechslung: Wolken und Sonnenschein.
Obgleich die Ausstattung des Zimmers, in dem ich mich befand, keineswegs luxuriös zu nennen war, machte sie doch einen recht behaglichen Eindruck; sie erinnerte mich an das Innere eines Landhauses auf der Erde. Wenn auch nichts auffallend Schönes darin vorhanden war, so enthielt es doch alles, was zur Gemütlichkeit beitragen konnte und machte nicht jenen kahlen, gefängnisähnlichen Eindruck meiner früheren Wohnungen. Einige Bilder, Szenen aus meinem irdischen Leben darstellend, deren Anblick angenehme Erinnerungen in mir wachriefen, bereiteten mir großes Vergnügen. Und, welche Freude, da bemerkte ich auch meinen Gemäldespiegel, meine Rose und den Brief - alle meine Schätze!
Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf den Spiegel, um zu sehen, was wohl mein Liebling jetzt mache. Sie schlief, und auf ihrem Gesichte stand ein glückliches Lächeln, als ob ihr in Träumen mitgeteilt würde, daß mir etwas Gutes widerfahren sei. Dann trat ich zum Fenster und schaute hinaus auf die langen Hügelreihen, die baumlos und nur mit Gras und Farn bewachsen vor mir lagen. Lange betrachtete ich diese Landschaft; sie war einer irdischen ähnlich und doch wieder unähnlich: so eigenartig, kahl und doch so friedevoll. Meine Augen, durch den Aufenthalt in den niederen Sphären dieses Anblicks längst entwöhnt, erfaßten mit Freude dieses Bild. Der Gedanke, daß ich nun zu einem neuen Leben erwacht war, erfüllte mich mit inniger, unaussprechlicher Dankbarkeit.
Schließlich wandte ich mich vom Fenster ab. Indem ich in meiner Nähe so etwas wie einen Spiegel bemerkte, schaute ich hinein, um zu sehen, was für eine Veränderung wohl mit mir vorgegangen sein mochte. Mit einem Ausruf der Überraschung und Freude prallte ich zurück. War es möglich? War das mein Antlitz, das ich hier erblickte? Ich schaute und schaute wieder. War ich es wirklich? Ei, ich war ja wieder jung geworden! Ich sah aus wie ein Mann von höchstens 35 Jahren, so wie in meinem besten Alter auf Erden. In jenem Zwielichtlande erschien mein Äußeres so alt, hager und elend, daß ich es vermied, mich zu betrachten. Ich hatte damals weit schlechter ausgesehen, als es jemals auf der Erde der Fall hätte sein können, äuch wenn ich hundert Jahre alt geworden wäre. Nun aber war ich jung!
Ich hob meine Hand - sie war fest und frisch wie mein Gesicht. Eine genauere Besichtigung meines Selbst befriedigte mich noch mehr, denn ich war in jeder Hinsicht wieder ein junger Mann in der Blüte seiner Kraft, doch nicht so wie ich einst gewesen. Nein! Es lag ein Ernst in meinem Gesichte, ein gewisser Ausdruck, der die Leiden andeutete, die ich hatte ausstehen müssen. Ich wußte, daß ich niemals wieder die sorglose, überschäumende Freude der Jugend zu empfinden vermochte, denn ich konnte nicht wieder zurückgehen und das werden, was ich früher gewesen war. Die Bitterkeit meines vergangenen Lebens stieg wieder vor mir auf und tat meinen heiteren Gedanken Einhalt. Die Reue über meine früheren Sünden machte sich auch jetzt wieder bemerkbar und warf ihre Schatten selbst auf die Freude dieses Erwachens. Niemals können wir das vergangene Erdenleben so auslöschen, daß keine Spur mehr von ihm dem Geiste anhaftet. Ich habe gehört, daß sogar Geister, welche viel weiter vorgeschritten sind, als ich es zu dieser Zeit war, noch die Wundmale ihrer früheren Sünden und Sorgen an sich tragen. Male, welche nur sehr langsam in den großen Zeitläufen der Ewigkeit verschwinden werden. Mir war große Freude und eine wunderbare Erfüllung meiner Hoffnungen zuteil geworden. Dennoch drang der Schatten der Vergangenheit zu mir, und sein schwarzer Mantel lastete schwer auf der Seligkeit selbst dieser Stunde.
Während ich so über die Verwandlung nachdachte, die ich durchgemacht hatte, öffnete sich die Türe und ein Geist glitt herein. Er war wie auch ich jetzt mit einem langen Gewand von dunkelblauer Farbe mit gelber Einfassung bekleidet und trug auf dem Ärmel das Zeichen unseres Ordens. Der Zweck seines Erscheinens war, mich zu einem Feste einzuladen, das mir und anderen zu Ehren, die in letzter Zeit aus der niederen Sphäre angekommen waren, veranstaltet werden sollte.
"Alles ist einfach hier", sagte er, "auch unsere Feste. Doch das Salz der Freundschaft wird das Fest würzen und der Wein der Liebe wird euch alle erfrischen. Heute seid ihr unsere Gäste und wir alle erwarten euch, um euch willkommen zu heißen als solche, die einen schweren Kampf gekämpft und einen würdigen Sieg davongetragen haben."
Hierauf nahm er mich bei der Hand und führte mich in eine geräumige Halle mit vielen Fenstern, die einen weiten Ausblick auf die Berge und einen großen, still und friedlich daliegenden See gewährten. Lange Tafeln waren daselbst zu einem Festmahl aufgestellt und um sie herum standen Stühle für uns alle. Es waren kürzlich mehrere hundert Brüder mit mir angekommen und etwa tausend andere befanden sich bereits seit einiger Zeit hier. Diese gingen von einem zum anderen, indem sie die Neuangekommenen herzlich begrüßten. Hie und da erkannte einer einen alten Freund oder Kameraden, oder jemanden, dem er in den niederen Sphären Beistand geleistet oder von dem er solchen empfangen hatte. Alle erwarteten die Ankunft des Vorstandes der Brüderschaft in dieser Sphäre, welcher der Großmeister genannt wurde.
Plötzlich sah man, wie sich die breiten Türen an dem einen Ende der Halle von selbst öffneten und eine Prozession ihren Einzug hielt. Voraus schritt ein sehr stattlicher, erhabener Geist in reichen Gewändern von jenem Blau, welches man bei den Gemälden der Jungfrau Maria beobachten kann. Diese Gewänder waren weiß gefüttert und mit Gelb eingefaßt, während eine weißgefütterte gelbe Kapuze ihm von der Schulter herabhing. Auf dem Armel bemerkte man das eingestickte Symbol der "Brüderschaft zur Hoffnung". Hinter diesem Mann kamen etwa hundert Jünglinge, die alle in weiß und blau gekleidet waren und Lorbeerzweige in ihren Händen trugen. Am oberen Ende des Saales befand sich ein prächtiger Lehnsitz mit weiß-blau-gelbem Baldachin, wo der Großmeister Platz nahm, nachdem er uns alle begrüßt hatte. Die Jünglinge ließen sich in einem Halbkreise hinter ihm nieder.
Nach einem Dankgebet zu Gott dem Allmächtigen für uns alle wandte sich der Meister mit folgenden Worten an uns: "Meine Brüder! Ihr, die ihr hier versammelt seid, um diese Pilger, welche in unserem Hause zur Hoffnung für einige Zeit Ruhe und Frieden, Freundschaft und Liebe finden sollen, willkommen zu heißen, - und auch ihr, unsere wandernden Brüder, die wir als Sieger im großen Kampfe gegen Selbstsucht und Sünde ehren wollen - euch allen entbieten wir unseren herzlichsten Gruß und bitten euch: Empfanget als Mitglieder unserer großen Brüderschaft die äußeren Zeichen unserer Ehrung, die wir euch darbringen, weil ihr sie redlich verdient habt. Das hohe Glücksgefühl, das eure Seele jetzt durchzieht, möge euch veranlassen, in brüderlicher Liebe die Hände zu reichen allen Sorgenden und Ringenden, die ihr in der Dunkelheit des Erdenlebens und in den Sphären des Erdenplanes zurückgelassen habt.
Wie ihr selbst hinfort immer edlere Siege feiern werdet, so suchet auch anderen immer mehr und mehr zu geben von der vollkommenen Liebe unseres großen Ordens, dessen glorreichste Meister in den Himmeln wohnen und dessen niederste Mitglieder noch als kämpfende Sünder auf dem finsteren Erdenplane leben. In ununterbrochener Kette soll unsere Brüderschaft sich vom Himmel bis zur Erde erstrecken, so lange dieser Planet physisches Leben unterhält. Und ihr sollt dessen stets eingedenk sein, daß ihr Glieder dieser großen Kette seid, Mitarbeiter von Engeln und Brüder derer, welche unterdrückt sind. Ich fordere euch nun auf, der Reihe nach diese unverwelklichen Lorbeerzweige, welche die Stirne der Sieger zieren sollen, in Empfang zu nehmen und sie als Ehrenzeichen zu bewahren. Im Namen des höchsten Lenkers des Universums und aller seiner Engel, im Namen unserer Brüderschaft kröne ich nun jeden von euch mit dem Lorbeer und weihe ich euch alle der Sache des Lichts, der Hoffnung und der Wahrheit."
Viele von uns waren von diesen liebevollen Worten und dieser Ehrung fast überwältigt. Dann traten wir - die Neuangekommenen - auf ein Zeichen näher und knieten vor dem Großmeister nieder, um unsere Häupter schmücken zu lassen. Die Jünglinge überreichten ihre Zweige dem Meister und dieser krönte uns eigenhändig damit. Als der letzte von uns seine Krone empfangen hatte, erhob sich unter den versammelten Brüdern ein Sturm der Freude und des Beifalls. Man sang ein herrliches Loblied, dessen Melodie und Worte so lieblich waren, daß ich wünschte, ich könnte sie euch ganz wiedergeben. Als dies vorüber war, wurde jeder von einem dienenden Bruder zu seinem Platze geführt und das Festmahl begann.
Man wird sich erstaunt fragen, wie wohl ein "Festmahl" in der geistigen Welt stattfinden kann. Aber selbst auf der Erde besteht euer ganzes Vergnügen bei einer solchen Veranstaltung nicht nur in der Nahrung, die ihr zu euch nehmt, und in dem Wein, den ihr trinkt, denn jedes Fest bietet euch auch Genüsse geistiger Art. So könnt ihr glauben, daß auch ein Geist ein Bedürfnis nach Nahrung irgendwelcher Art empfindet. Wir bedürfen dieser und wir essen, obgleich unsere Speisen nicht von solch grobem Stoffe sind wie die eurigen. Tierische Nahrung oder etwas Ähnliches gibt es bei uns nicht. Ausgenommen in den niedersten Sphären, wo die erdgebundenen Geister sich durch andere, die noch im Fleische sind, die Befriedigung ihrer tierischen Begierden verschaffen.
Dagegen gibt es in dieser zweiten Sphäre die köstlichsten Früchte, die für das Auge fast durchsichtig sind und im Munde zergehen, wenn man sie genießt. Auch Wein gleich funkelndem Nektar ist zu haben, er verursacht jedoch keine Vergiftung, noch erzeugt er ein Verlangen nach mehr. Es ist hier nichts von alledem vorhanden, was die gröbere Eßlust befriedigen könnte, sondern nur schmackhaftes Konfekt und eine Art leichten Brotes. Aus dieser Speise und solchem Trunk bestand das Mahl, und ich für meine Person genoß nichts anderes als die lieblichen Früchte; die ich hier zum ersten Male in der geistigen Welt sah. Man belehrte uns, daß selbe tatsächlich die Früchte unserer eigenen Arbeit seien, die infolge unserer Bemühungen im Dienste anderer auf der geistigen Seite des Lebens gewachsen seien.
Nachdem das Festmahl beendet war, unterhielten
wir uns noch einige Zeit, und ein großer Dankeschor, in den wir alle
einstimmten, beschloß die Feier.
Dann zerstreuten wir uns, und viele gingen,
um ihre Freunde auf Erden zu besuchen und ihnen womöglich Kunde von
dem glücklichen Ereignis zu geben, das uns begegnet war. Viele von
uns wurden noch als "verlorene Seelen" bedauert, die in Sünden gestorben
waren. Es war sehr schmerzlich für uns, wenn wir diesen Erdenfreunden
nicht begreiflich machen konnten, daß wir jetzt in froher Hoffnung
lebten. Andere Brüder gingen zusammen mit wiedergefundenen Geisterfreunden,
um Zwiesprache mit ihnen zu pflegen, während ich selbst schnurstracks
zur Erde eilte, um meinem Liebling die frohe Botschaft von meiner Erhöhung
zu bringen. Sie hörte mein Lispeln, lächelte und gab zur Antwort,
daß sie das sichere Gefühl gehabt habe, daß es so sein
müsse. In diesem Augenblick war meine Freude vollkommen und hatte
das Glück meines Ehrentages seinen Höhepunkt erreicht.
XIV
Es war eine glückselige Zeit, die jetzt für mich anbrach - eine Pause des Ausruhens und der Erholung, die ich zumeist in der Nähe meiner Geliebten verbrachte. Sie verstand zwar noch nicht alles, aber doch vieles von dem, was ich zu ihr sprach, und meine Besuche bei ihr nahmen so viel Zeit in Anspruch, daß mir kaum noch Muße verblieb, um die Wunder des Landes der Dämmerung zu erforschen, dessen Bewohner ich geworden war.
Bald wurde mir eine neue Überraschung zuteil. Auf allen meinen Wanderungen seit meinem Tode war ich niemals einem Verwandten oder Freunde, die vor mir in die geistige Welt eingegangen waren, begegnet. Als ich jedoch eines Tages wieder bei meiner Geliebten zum Besuche erschien, tat sie wegen einer Botschaft, die sie empfangen hatte und mir selbst übermitteln wollte, sehr geheimnisvoll. Nach einer Weile erzählte sie mir, daß die betreffende Mitteilung von einem Geiste stamme, der sie besucht und behauptet habe, daß er mein Vater sei. Er habe gewünscht, daß sie seine Botschaft an mich weitergebe. Bei diesen Worten überkam mich eine solche Bewegung, daß ich kaum sprechen konnte.
Ich hatte meinen Vater auf Erden sehr geliebt, denn meine Mutter starb so früh, daß ich mich nur ganz schwach an sie erinnerte. Mein Vater aber war mein Alles. Mit Stolz und Freude nahm er Anteil an den Erfolgen seines Sohnes und setzte die größten Hoffnungen auf dessen Zukunft. Als ich dann im Leben Schiffbruch litt, erkannte ich, daß mein Unglück ihm das Herz gebrochen hatte. Er überlebte den völligen Zusammenbruch seiner Hoffnungen nicht lange. Seit seinem Tode konnte ich nur mit Schmerzen und tiefster Scham an ihn denken.
Als ich daher hörte, daß mein Vater
seinen Aufenthaltsort im Jenseits verlassen hatte, um mit meinem Liebling
zu sprechen, da fürchtete ich, daß seine Worte nichts anderes
als Klagen über seinen mißratenen Sohn enthalten würden.
So verlangte mich darnach, zu wissen, ob in seiner Botschaft nicht ein
Wort der Verzeihung für seinen Sohn, der so sehr gesündigt hatte,
enthalten sei.
Ich vermag weder seine Worte wiederzugeben,
noch den Eindruck zu schildern, den sie auf meine Seele rnachten, als ich
sie vernahm. Diese Worte fielen auf mein Herz wie Tau auf die schmachtende
Erde. Sicherlich hat der Vater im Gleichnis für seinen verlorenen
Sohn ähnliche Worte der Liebe und des Willkommens gehabt. Wie schluchzte
ich auf, als mir mein Lieb jene Worte wiederholte, und wie sehr verlangte
mich darnach, diesen Vater wiederzusehen und noch einmal an seinem Herzen
zu ruhen!
Ehe ich es gedacht, sollte diesem Wunsche Erfüllung werden. Denn als ich mich zufällig umwandte, gewahrte ich, daß mein Vater uns zur Seite stand. Er sah genau so aus wie in der letzten Zeit seines irdischen Lebens. Über seinem Haupte aber erstrahlte ein Glorienschein, wie ihn kein sterbliches Auge je erblickt. Wir hatten keine anderen Worte als "Mein Vater!" und "Mein Sohn!", um einander zu begrüßen, aber wir umarmten uns mit einer Freude, die keiner Worte bedurfte.
Als sich unsere Gefühle etwas beruhigt hatten, sprachen wir von ihr, deren Liebe mich auf dem Pfade nach aufwärts geleitet hatte. Jetzt erfuhr ich auch, daß es mein geliebter Vater war, der uns geholfen, über uns gewacht und uns beide beschützt hatte. Er war mir auf meinen Wanderungen in der Geisterwelt gefolgt und hatte mich in allen meinen Kämpfen beschirmt und getröstet. Meinem Blicke zwar entrückt, war er mir doch nahe gewesen und hatte mir unermüdlich in hilfreicher Liebe zur Seite gestanden. Während ich vor dem Gedanken an eine Begegnung mit ihm zurückschreckte, war er bei mir und wartete nur auf eine Gelegenheit, um sich kundzugeben. Endlich war es ihm gelungen, durch sie, mit der ich durch meine Liebe in so engem seelischem Kontakt stand, eine Verbindung herzustellen und uns alle drei durch die Freude dieses Wiedersehens in ein noch innigeres Verhältnis zu bringen.
XV
Als ich von jenem denkwürdigen Besuche zum Geisterlande zurückkehrte, ging mein Vater mit mir, und wir blieben eine lange Zeit beisammen. Dabei erzählte er mir, daß man im Begriff stehe, von hier aus eine Rettungsexpedition in die allerniedrigste Sphäre zu unternehmen - in eine Sphäre, die sich unterhalb aller bis jetzt von mir besuchten Reiche befinde und in Wirklichkeit die von der Kirche gepredigte Hölle sei. Wie lange wir abwesend sein würden, war uns nicht bekannt; wir wußten nur, daß wir eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatten und gleich einer Invasionsarmee ausharren mußten, bis unser Ziel erreicht sein würde.
Mein Führer aus dem Osten riet mir, mich dieser Gesellschaft anzuschließen. Auch mein Vater wünschte jetzt, daß ich zum Kampfe für Wahrheit, Licht und Hoffnung mit diesem Heere von Streitern ausziehen solle. Um jene bösen Mächte erfolgreich zu bekämpfen, muß man den Versuchungen des Erdenplanes und der noch tieferen Sphären entwachsen sein. Andererseits darf man, um den Unglücklichen sichtbaren Beistand leisten zu können, nicht den höheren Sphären angehören. Denn Geister, die weiter fortgeschritten sind als die Brüder zur Hoffnung in diesem ersten Kreise der zweiten Sphäre, würden von den Hilfsbedürftigen weder gesehen noch gehört werden. Auch mußten wir, um sichtbar zu werden, beim Betreten dieser niedersten Sphären etwas von ihren materiellen Elementen an uns heranziehen, wozu ein höherer Geist nicht imstande gewesen wäre. Die Helfer aus den reineren Sphären, welche die Expedition begleiteten, um uns zu schützen, waren sowohl uns wie auch denjenigen, zu deren Hilfe wir gekommen waren, unsichtbar.
Die Teilnehmer der Expedition standen ihrer Befähigung nach auf derselben Stufe wie ich selbst. Wir alle fühlten, daß wir sehr viel aus der persönlichen Beobachtung der niederen Zustände, in die uns unsere Leidenschaften bei dauernder Befriedigung selbst gebracht hätten, lernen würden. Gleichzeitig konnten wir auch viele arme, reuige Seelen aus diesen dunklen Sphären retten und sie dahin bringen, wo ich selbst nach meinem ersten Übergange aus dem Erdenleben geweilt hatte und wo zahlreiche Orte speziell zur Aufnahme dieser Geister vorhanden waren. Diese wurden von solchen Persönlichkeiten geleitet, welche selbst aus den Reichen der Hölle gerettet worden waren und sich deshalb am besten dazu eigneten, jenen armen Geistern Beistand zu leisten. Nicht nur von den Brüdern zur Hoffnung, sondern auch von anderen Brüderschaften wurden von dem Lande der Dämmerung aus ähnliche Expeditionen in die dunklen Sphären entsendet. Alle diese Unternehmungen bilden einen Teil jenes großen Rettungswerkes, welches im Namen des ewigen Vaters immerfort zugunsten der Sünder im Gange ist, denn Gott verdammt keines seiner Kinder zu ewiger Qual!
Die Expedition sollte von einem Führer befehligt werden, der selbst aus den dunklen Sphären gerettet worden war und ihre besonderen Gefahren kannte. Da die Absicht bestand, durch den Erdenplan und die niederen Sphären einen Weg zu nehmen, den wir noch nicht kannten, versprach mein östlicher Führer, mir einen seiner Schüler zu senden. Er sollte rnich bis zur niedersten Sphäre begleiten, um mir einige Geheimnisse der Astralebene, die wir auf unserer Reise betreten mußten, zu erklären und mich mit ihnen bekannt zu machen.
Hassein (so hieß der Schüler) erforschte jene Geheimnisse der Natur, die in den Bereich der sogenannten Magie fallen und für böse gehalten werden, während im Grunde doch nur der Mißbrauch dieser Kräfte es ist, den man als schlecht bezeichnen muß. Ein besseres okkultes Wissen würde dazu dienen, manchen bestehenden Übeln vorzubeugen und einigen jener bösen Mächte erfolgreich entgegenzuwirken, die dem Menschen bei seiner beklagenswerten Unwissenheit oft sehr schädlich sind. Jener Schülergeist war, wie auch Ahrinziman selbst, in seinem irdischen Leben seiner Nationalität nach Perser. Beide gehörten noch jener philosophischen Schule an, deren großer Gründer Zoroaster war.
"In der geistigen Welt", sagte Ahrinziman,
"gibt es eine große Anzahl von Schulen verschiedener Richtung, in
denen allen die ewigen Grundwahrheiten der Natur gelehrt werden. In manchen
nebensächlichen Punkten unterscheiden sie sich jedoch voneinander,
was hauptsächlich darin zum Ausdruck kommt, daß sie bezüglich
der Art der Anwendung dieser großen Wahrheiten auf die Entwicklung
der Seele geteilter Meinung sind. Ebenso unterscheiden sie sich darin,
wie sie ihre Schlüsse ziehen, wenn sie ihr bestimmtes Wissen auf Dinge
ausdehnen wollen, von denen sie noch keine sichere Kenntnis haben. Es ist
ein Fehler zu glauben, daß es in der geistigen Welt unseres Planeten
ein absolutes Wissen gibt, welches alle die großen Geheimnisse der
Schöpfung - wie das Warum unseres Daseins, die Existenz von Bösem
in Verbindung mit dem Guten, oder die der Seele und ihre Herkunft von Gott
zu klären vermag.
Die Fluten ewiger Wahrheit entströmen
beständig den großen Geisteszentren des Universums und werden
der Erde durch Ketten geistiger Intelligenzen übermittelt. Es kann
jedoch ein Geist nur in dem Grade Bruchteile der Wahrheit weitergeben,
als seine Entwicklungsstufe ihn befähigt, sie zu verstehen. Und ein
Sterblicher vermag nur so viel Wissen zu empfangen, als seine intellektuellen
Fähigkeiten ihm aufzunehmen und zu begreifen ermöglichen.
Weder Geister noch Sterbliche sind allwissend, und erstere können nur das überrnitteln, was ihre jeweiligen Schulen und deren vorgeschrittene Vertreter als ihre Lehre bezeichnen. Weiter können sie nicht gehen, denn darüber hinaus wissen sie selbst nicht. Diejenigen, die behaupten, daß sie die wahre und einzige Erklärung für die großen Mysterien besitzen, können nur das wiedergeben, was ihnen selbst von weiter vorgeschrittenen Geistern gelehrt wurde. Letztere aber sind nicht mehr berechtigt, in absolutem Sinne zu sprechen, als die vorgeschrittensten Lehrer irgend einer anderen Schule. Auf Grund der Autorität eines anderen, der in der geistigen Welt als ein Führer der vorgeschrittensten Intelligenz anerkannt ist, behaupte ich, daß es ganz unmöglich ist, für die letzten Fragen eine endgültige Antwort zu geben. Oder Dinge erklären zu wollen, die weit über die Kräfte der höchsten Geister hinausgehen und daher das Fassungsvermögen unserer Erdsphären unendlich übersteigen müssen. Die Beantwortung und Erklärung dieser Dinge würde eine Kenntnis des Universums, welches keine Grenzen hat, voraussetzen. Und noch mehr ein Vertrautsein mit der Natur jenes höchsten Wesens, von dem keinem Geiste etwas anderes bewußt werden kann als die große Wahrheit, daß er als unendlicher Geist unbeschränkt in jeder Hinsicht, unerforschlich und unbekannt ist.
Was auch immer Menschen und Geister beweisen und erklären rnöchten, sie können stets nur im Rahmen ihres jeweiligen Wissens lehren. Jenseits dieses aber gibt es wieder Grenzen, die keiner zu erreichen vermag. Wie kann jemand behaupten, das letzte Ende von dem zeigen zu wollen, was kein Ende hat? Oder wie ist es jemandem möglich, die ungeheuren Tiefen des unendlichen Geistes zu sondieren, der unergründlich ist? Geist ist so ewig und unerforschlich wie das Leben, er ist unendlich und alles durchdringend. Gott ist in allem, über allem, doch niemand kennt seine Natur, noch welcher Art sein Wesen ist. Wir wissen nur, daß er in allem und überall gegenwärtig ist. Der Verstand des Menschen muß, von Ehrfurcht erfüllt, im Gefühle seiner Kleinheit gerade an der Schwelle, wo er eindringen möchte, stehen bleiben. Das einzige, was er tun kann, ist sich zu bescheiden und zu untersuchen, ob die nächste Stufe, welche er betreten will, auch sicher ist. Auch die erhabensten und kühnsten Geister vermögen nicht alles auf einmal zu umfassen. Kann da der Erdenmensch mit seinem beschränkten Gesichtskreise hoffen, daß ihm alles erklärt werden kann, wo selbst die vorgeschrittensten Intelligenzen der geistigen Welt sich bei ihrem Suchen nach Wahrheit durch ihre Ohnmacht stets gehemmt fühlen?"
XVI
Der Freund, welchen Ahrinziman zu meiner Begleitung und Belehrung sandte, hatte nach irdischen Gesichtspunkten das Aussehen eines junges Mannes von 25-30 Jahren; er sagte mir jedoch, daß er auf Erden über 80 Jahre gelebt habe. Sein gegenwärtiges Äußere stellte die Stufe seiner geistigen Entwicklung dar, welch letztere allein für die Beurteilung des Alters eines Geistes maßgebend ist. Je höher ein Jenseitiger seine geistigen Fähigkeiten entfaltet, desto mehr trägt seine Erscheinung den Stempel der Reife, bis sie schließlich die eines Weisen wird, ohne jedoch die Runzeln und Mängel des irdischen Alters zu zeigen. Nur die Würde, Macht und Erfahrung der erlangten Reife kommen zum Ausdruck. Wenn daher ein Geist die höchstmögliche Entwicklungsstufe der Erdsphären oder die anderer Planeten erreicht hat, hat er das Aussehen eines ihrer Patriarchen und geht dann in die höheren und ausgedehnteren Sphären des Sonnensystems über, zu dem der betreffende Planet gehört. Hier beginnt er seinen Lebenslauf wieder als Jüngling, da seine Entwicklungsstufe im Vergleich zu derjenigen weiter vorgeschrittener Geister jener höheren Sphären nur die eines Jünglings ist.
Hassein erzählte mir, daß er gegenwärtig
die verschiedenen Kräfte und Formen der Natur in jenen Reichen studiere,
die unterhalb des Seelenlebens liegen. Und daß er imstande sei, mir
viele merkwürdige Dinge zu erklären, die wir auf unserer Reise
zu Gesicht bekommen würden.
"Viele Geister", sagte er, "durchziehen die
Sphäre des Astralplanes, ohne sich der gespenstigen Bewohner desselben
bewußt zu werden. Dies deshalb, weil ihre Sinne nicht genügend
entwickelt sind, um die Umgebung in allen ihren Einzelheiten wahrnehmen
zu können.
Auf der Erde ist es ebenso. Hier gibt es viele Personen, die ganz unfähig sind, die Geister in ihrer Nähe zu sehen, während letztere für einige feiner organisierte Menschen vollkommen sichtbar sind. Ferner gibt es auf Erden Leute, welche nicht nur die Geister von menschlichen Wesen, sondern auch Astral- und Elementwesen wahrnehmen können, die eigentlich keine 'Geister' sind. Als Geister sollte man nur solche bezeichnen, die einen Seelenkeim in sich tragen. Viele Wesenheiten, die wir sehen werden, besaßen niemals eine Seele und andere wieder sind nur leere Schalen, aus denen der Seelenfunke bereits entwichen ist.
Um zwischen einem Seelen-Geist und einem seelenlosen Astralwesen unterscheiden zu können, muß man die Gabe des zweiten Gesichtes besitzen. Solche, die nur einen unvollkommenen Grad dieses Hellsehens haben, sind wohl imstande, Elementar- und Astralwesen wahrzunehmen, sind aber nicht fähig, letztere von beseelten geistigen Formen deutlich zu unterscheiden. Hierdurch herrscht große Unklarheit unter diesen unvollkommenen Hellsehern über die Natur und die Eigenschaften dieser Wesensarten.
Bei den Menschen auf Erden beobachtet man
mehrere Grade des Hellsehens, die alle auf der nächtsten Stufe des
Daseins eine Steigerung erfahren, nachdem der geistige Körper oder
das Seelenwesen von den groben Elementen der physischen Materie befreit
ist. So geht es fortschreitend im dem Verhältnis weiter, wie die Seele
eine materielle Hülle um die andere abwirft: zuerst die grobe oder
irdische Materie, sodann die aufeinanderfolgenden Abstufungen der feinstofflichen
Materie. An eine völlige Trennung von Materie und Seele können
wir nicht glauben, wenigstens so lange nicht, als sie sich ihrer Existenz
in einem unserer Sonnensysteme bewußt ist. Über diese Grenzen
hinaus haben wir keine bestimmte Kenntnis, daher kann alles nur Gegenstand
der Spekulation sein.
Die Entwicklungsstufe der Seele steht im
genauen Verhältnis zu dem Grade der Dichtigkeit, der Qualität
der sie umhüllenden Materie. Aus der mehr oder weniger verfeinerten
und ätherisierten Materie des Körpers läßt sich auf
einen entsprechend hohen oder niederen Entwicklungszustand der ihn bewohnenden
Seele schließen.
In meinen Ausführungen über das Hellsehen will ich zunächst nur über die erste Stufe bewußten Seelenlebens sprechen. Ich lasse bis zu gelegener Zeit die Theorien und Meinungen außer Acht, die mit dem Studium dessen in Zusammenhang stehen, was vor dem gegenwärtigen Bewußtseinszustande des Menschen geschah und was sein wird, wenn er die Grenzen unseres derzeitigen Wissens überschreitet.
Wir finden auf der irdischen Stufe des Lebens Personen meistens Frauen oder jüngere Knaben, - die mit mehreren Graden des Hellsehens ausgestattet sind. Die ersten drei Grade finden sich sehr häufig vor, der vierte und fünfte seltener. Dem sechsten und siebenten begegnet man fast niemals, ausgenommen bei Personen, die hierzu eine besonders geeignete Organisation besitzen. Diese Besonderheit ist auf die Einflüsse der Gestirne zurückzuführen, unter welchen sie geboren sind. Hauptsächlich auf Einflüsse, die in dem Moment herrschen, wo das Kind das Licht der Welt erblickt. So selten sind diese sechsten und siebenten Grade, daß sie nur sehr wenigen zu eigen sind.
Hin und wieder findet man einige mit unvollkommenem sechsten Grad, die vom siebenten Grade aber nichts besitzen. In solchem Falle können die Betreffenden nie zu einem vollkommenen Hellsehen gelangen. Die Folge dieses Mangels ist ähnlich wie bei ungeeigneten Brillengläsern nur ein unvollkommenes Sehen der übersinnlichen Dinge. Wenn solche Personen auch bis zu einem gewissen Grade einen Einblick in die sechste Sphäre haben, so vermindert ihr mangelhaftes Sehen doch sehr den Wert dessen, was sie berichten.
Jene jedoch, die den sechsten Grad des geistigen Schauens vollkommen besitzen, können im Geiste sogar bis in die siebente Sphäre erhoben werden, welche als die höchste den "Himmel" der Erdsphäre bedeutet. Gleich Johannes im Neuen Testament werden sie dann unaussprechliche Dinge sehen. Hierzu ist es erforderlich, daß die Seele von allen Fesseln des physisehen Körpers befreit ist bis auf den dünnen Faden, der als Bindeglied zwischen Körper und Seele dient, und dessen Zerstörung eine Trennung beider Elemente für immer herbeiführet. Man kann daher sagen, daß sich die Hellseher zu solchen Zeiten außerhalb ihres Körpers befinden.
Es ist jedoch schwierig und gefährlich, eine Seele in die siebente Sphäre zu versetzen. Selbst da, wo die Kräfte dazu vorhanden sind, kann dies nur bei außergewöhnlich veranlagten Personen und unter ganz besonderen Umständen geschehen. Dasselbe muß von den Hellsehenden der niederen Grade gesagt werden, jedoch mit dem Unterschiede, daß hier die Fähigkeiten um so leichter und sicherer gebraucht werden können, je weniger erhaben sie sind.
Jeder Hellseher vermag nur in jene Sphäre zu schauen, die dem Grade seiner Fähigkeit entspricht. Es ist jedoch eine merkwürdige Tatsache, daß viele Hellseher einen oder mehrere Grade des geistigen Schauens vollkommen besitzen und daneben noch einen weiteren, nicht voll entwickelten höheren Grad. Wo dies der Fall ist, beobachtet man, daß das Medium dadurch, daß es die Gesichte durcheinanderbringt, nicht zuverlässig ist.
Denn, wenn der mangelhafte Grad in Tätigkeit tritt, so ist die Folge davon dieselbe, wie wenn man einen Gegenstand gleichzeitig mit einem guten und einem schlechten Auge betrachtet: das Wahrgenommene verliert durch die Unvollkommenheit des einen Auges an Deutlichkeit. Es ist daher weit besser, von einem Grade gar nichts zu besitzen als nur einen Bruchteil. Der unvollkommene Grad allein ist es, der Verwirrung bei Anwendung der vollkommenen Grade hervorruft. Man muß es mit diesen Fähigkeiten machen wie mit dem schlechten Auge: man muß sie verschließen, damit das Schauen, wenn auch beschränkt, doch wenigstens richtig ist.
Wenn die Alten bei ihren Schülern das
höchstmögliche, vollkommene Hellsehen in einem oder mehreren
Graden entdeckten, hemmten sie deren weitere Entwicklung so lange, als
das unvollkommene Sehen des höheren Grades den Wert der anderen, die
sie besaßen, beeinträchtigen konnte. Auf diese Weise waren sie
imstande, manche zuverlässige Hellseher mit mäßigen Fähigkeiten
zu erziehen, die bei weiteren eigensinnigen Anstrengungen, sich zu entwickeln,
weit mehr verloren hätten als sie gewinnen konnten.
In alten Zeiten wurden die Seher in verschiedene
Klassen eingeteilt, wie dies auch jetzt noch in gewissen Prophetenschulen
des Ostens der Fall ist. Jedoch ist diese Kunst bis jetzt nicht in solch
vollkommener Weise bekannt wie damals, als die östlichen Völker
auf Erden auf der Höhe ihrer Macht standen.
Jede Klasse bedurfte einer besonderen Erziehung, die dem jeweiligen Grade der Fähigkeit und der Art der Begabung angepaßt war. Damals bestand in solchen Dingen nicht dieses merkwürdige Mißverhältnis von hoher Begabung und größter Unwissenheit, wie es heute der Fall ist. Nur die Unfähigkeit, diese Gaben richtig und weise zu gebrauchen ist es, was in so vielen Fällen Ungenauigkeiten zeitigt. Und auch manche Unannehmlichkeit sowohl für das Medium wie für die, welche es um geistiger Erkenntnis willen besuchen.
Ebensogut könnte der Ausbilder von jungen
Turnern der Meinung sein, daß er die zu entwickelnden Muskeln seiner
Zöglinge in ihrer Leistungsfähigkeit überanstrengen könne,
ohne ihnen Schaden zuzufügen. Geradeso ist es bei denen, die sich
mit der Entwicklung ihrer medialen Kräfte beschäftigen, um dann
einen übermäßigen, unvernünftigen Gebrauch davon zu
machen.
Wenn auf Erden die geistige Erkenntnis weiter
verbreitet sein wird, werden gewisse Sensitive, die mit den nötigen
Kräften begabt sind, Anweisungen erhalten, die sie unter Führung
befähigen werden, zwischen den niederen und den höheren Geistern
zu unterscheiden. Auf diese Weise wird ein großer Teil der Verwirrung
und Gefahr allmählich beseitigt werden.
Auf der geistigen Seite des Lebens gibt es viele Lehrer, die sich jahrhundertelang mit dem Studium aller Daseinsformen, die auf Erden verkörpert sind, beschäftigt haben. Gerade jetzt suchen sie überall nach offenen Türen, um durch sie das Wissen zu übermitteln, das den Menschen von wahrem Nutzen ist. Vieles konnte noch nicht mitgeteilt werden. Bei manchen Dingen aber wäre dies möglich, und in dem Maße, wie das Wissen über diesen Stoff gegeben wird, werden die Seelen auf Erden sich erweitern und entwickeln." - -
Ich dankte meinem neuen Freunde für seine
Belehrung und die in Aussicht gestellte Hilfe. Dann begab ich mich kurz
vor Abgang der Expedition auf die Erde, um meiner Geliebten Lebewohl zu
sagen. Wir beide empfanden tief, wie sehr wir nun unseren beständigen
Verkehr vermissen werden; denn so beschränkt er auch durch die Kluft
war, die zwischen uns lag, bereitete er uns beiden doch große Freude.
Bei meiner Rückkehr wurde ich aufgefordert, mich von meinem Vater
und meinen Freunden zu verabschieden und mich mit meinen Reisegefährten
in dem großen Saale zu treffen, um den Segen unseres Großmeisters
zu empfangen. Nachdem dies geschehen, machte sich unsere Expedition unter
den guten Wünschen der ganzen versammelten Brüderschaft auf den
Weg.
weiter zu Galatea,
Tages-Anbruch, Teil XVII - XVIII